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Die Kul-Scharif- Moschee bei Nacht ist eine echte Augenweide
Die Kul-Scharif- Moschee bei Nacht ist eine echte Augenweide

Kazan – Kann man das essen? Bis zu einer Einladung zu einer Pressereise nach Tatarstan war mir diese Region Russlands völlig unbekannt. Google sei dank fand ich dann raus, dass Kazan die Hauptstadt Tatarstans und gleichzeitig eine der größten Städte Russlands ist (also doch nichts mit Essen). Und den Aussagen von Visit Tatarstan, dass Russland mehr sei als Moskau und St. Petersburg, kann ich nur zustimmen. Komm mit auf meine Reise durch das „Land of 1001 Delights“ und lerne Russland von einer anderen Seite kennen.

Zuerst das Organisatorische – Ist das Einreisen nach Russland wirklich so kompliziert?

Die Frage kann ich dir mit einem eindeutigen Jein beantworten. Um das Visum kommst du nicht herum. Mit der Visumstelle in Frankfurt hatte ich die Ansprechpartner direkt vor der Haustür und konnte die ganze Sache persönlich regeln.

Folgende Dokumente musst du parat haben:

  • den online ausgefüllten und dann unterschriebene Visumantrag
  • ein Einladungsschreiben aus Russland
  • Bescheinigung einer Auslandskrankenversicherung
  • einen Gehaltsnachweis oder in meinem Fall eine Studienbescheinigung (als Beweis, dass du wieder ausreisen willst)
  • biometrisches Passbild

Sobald du alles beisammen hast, kannst du online einen Termin vereinbaren und deinen Reisepass abgeben. Nach 7 Werktagen ist dein Visum dann abholbereit. Die Gebühren belaufen sich bei diesem Vorgehen auf 80 €.

Falls du nicht in unmittelbarer Nähe einer Visumstelle wohnst, kannst du auch einen Visumdienstleister beauftragen und deinen Reisepass mit allen Dokumenten an diesen schicken. Der Visumdienstleister kann dir auch das Einladungsschreiben organisieren. Wählst du den Weg über den Dienstleister wird das Visum nicht teurer als insgesamt 90-95€ sein.

Spontanes Backpacking – ist das mit Russland vereinbar?

Als Backpacker und Liebhaberin des spontanen Reisens interessiere ich mich selbstverständlich dafür, welche Möglichkeiten ich mit meinem Reisestil in Russland überhaupt habe. Die strengen Visumrichtlinien (wie die Bereitstellung aller Details zur Reiseroute inkl. Übernachtungsorte) und die ständige Dokumentation des Aufenthalts durch Hotels etc. scheinen mir zunächst zu streng, um vor Ort noch irgendwas zu ändern. Doch ich werde eines besseren belehrt. Einer der Vorsitzenden von Visit Tatarstan versichert mir, dass diese Informationen vor allem für das Erlangen des Visums essentiell sind. Ist man einmal im Land, kann man alle „offiziellen Pläne“ über den Haufen werfen und reisen, wohin man will. Zwei Dinge solltest du allerdings wirklich beachten: Bewahre den Zettel für Übernachtungsdokumentation gut auf und achte auf das Ausreisedatum, was auf deinem Visum vermerkt ist!

Zurück zu Tatarstan – ein kurzer Überblick

Die Hauptstadt der autonomen Region Tatarstan ist Kazan und liegt ca. 1,5 h Flugstunden östlich von Moskau. Die russische Airline Aeroflot bringt dich jeden zweiten Tag direkt von Frankfurt in die tatarische Hauptstadt.

Mit knapp 3,8 Mio. Einwohnern ist Kazan die achtgrößte Stadt Russlands – und kaum jemand hat davon jemals schon gehört! Realistisch gesehen ist es schon ein Wunder, wenn mehr Städte als Moskau oder St. Petersburg bekannt sind. So ist es nicht verwunderlich, dass von allen Touristen in Tatarstan nur 13% nicht aus Russland kommen.

In Russland gibt es über 200 verschiedenen Volksgruppen und die Tataren bilden die zweitgrößte Gruppe. Sie fühlen sich als Teil des Gesamtrusslands, sind allerdings auch stolz auf ihre große Autonomität, ihre Traditionen und ihre Sprache.

Erster Eindruck der Stadt

Das Bild der Stadt an der Wolga könnte nicht vielfältiger sein. Blinkende LED-Anzeigen sind neben eindrucksvollen Jugendstilhäusern zu sehen, prachtvolle Moscheen mit bunten Kuppeln reihen sich neben traditionelle Kirchen mit vergoldeten Dächern und die Plattenbauten als Überbleibsel des Sozialismus fehlen natürlich auch nicht.

Kazan
Kazan

Die unterschiedlichen Religionen Tatarstans

Wem Tatarstan doch bekannt war, wird es möglicherweise aus dem religiösen Kontext kennen. Die Bevölkerung ordnet sich überwiegend zwei verschiedenen Religionen zu – dem Islam und dem russisch-orthodoxen Christentum. Das beschriebene Bild der Stadt spiegelt das friedliche Zusammenleben der Religionen wieder. Die Akzeptanz einer anderen Religion ist hier so hoch, wie ich es noch nirgendwo erlebt habe. Deshalb möchte ich dir zuerst die schönsten Moscheen und religiösen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorstellen, die das Leben der Region so sehr prägen.

Kul-Scharif- Moschee

Im Herzen Kazans rund um den Kreml befinden sich zahlreiche architektonische Prachtstücke. Mein Lieblingsmotiv ist hier die wunderschöne blaue Moschee, die als zweitgrößte Moschee Europas gilt. Sie ist nicht nur von außen wunderschön. Der Gebetsraum mit dem riesigen Kronleuchter und die verschiedenen Innenräume sind in allen erdenklichen Blautönen gestaltet. Die Moschee gefällt mir so gut, dass ich spät abends noch einmal vorbeigehe, um Nachtaufnahmen zu machen.

Auch bei Tageslicht ein Geschenk für Fotografen
Auch bei Tageslicht ein Geschenk für Fotografen

Mariä-Verkündigungs-Kathedrale

Das Kremlgelände hat noch mehr zu bieten. Die Verkündigungskathedrale mit ihren tiefblauen und goldenen Kuppeln passt farblich wunderbar zur benachbarten Moschee. Auch symbolisch hat sie eine wichtige Rolle – zusammen mit der Kul-Scharif-Moschee steht die weiße Kathedrale für das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Orthodoxen Christen in Tatarstan.

Peter- und-Paul Kathedrale

Wir hatten das Glück die Kathedrale zu besichtigen, als gerade ein Gottesdienst von einer Frau geleitet wurde. In schwarz verhüllt steht sie vor der mindestens acht Meter hohen Ikonenwand und singt mit kraftvoller Stimme die Gebete. Die Akustik ist unglaublich und die Kulisse nicht nur von innen beeindruckend. Die türkisenen und grünen Farben des barocken Baustils machen die Katherdale zu einem meiner Lieblingsmotive.

Haus aller Religionen

Ein wenig außerhalb der Stadt steht dieser einzigartige Tempel, dessen Bau von einer Familie 1992 begonnen wurde und weiterhin nicht vollendet ist. Dem Gründer sei Jesus erschienen und habe ihn beauftragt, dieses Haus der kulturellen und religiösen Vielfalt und des Austauschs zu bauen. Mit vielen bunten Mosaiken, religiösen Symbolen, alten Gemälden und einer solchen farbenfrohen Gestaltung empfand ich das Haus aller Religionen als perfekten Spiegel der friedlichen Religionsvielfalt in Tatarstan.

Das Haus aller Religionen
Das Haus aller Religionen

Was hat Kazan außer Religionen noch zu bieten?

Kreml von Kazan

Der Regierungssitz der Region Tartastan befindet sich an einem Nebenfluss der Wolga und beinhaltet zahlreiche architektonische Denkmäler, darunter auch einige mit religiöser Relevanz wie die Kul-Scharif-Moschee oder die Verkündigungskathedrale. Das Kreml-Gelände ist 24 h geöffnet (allerdings nicht alle Eingänge!) und kann so auch im Dunklen besichtigt werden. Die angestrahlten Bauten wirken auf mich in der Dunkelheit fast eindrucksvoller.

Kazan Arena – Fußballfans aufgepasst!

Nicht direkt üblich für eine klassische Stadtführung, aber wer kann schon sagen, dass er mal in Christiano Ronaldos Kabinenstuhl gesessen hat, die Pressekonferenzmikros getestet hat oder über den Rasen eines Stadions gehüpft ist, wo die deutsche Nationalmannschaft nächstes Jahr potentiell spielen könnte? Als Austragungsort für den Confed-Cup 2017 hat das Stadion schon mal ein bisschen internationale Luft geschnuppert. Und Deutschland hat sogar gewonnen! Im Sommer 2018 werden im Rahmen der Fußball- WM hier sechs Spiele der Gruppenphase und ein Viertelfinalspiel ausgetragen.

Auch wenn ich nicht der größte Fußballfan bin, muss ich dir als Person mit chronischem Reisefieber für die WM nächstes Jahr etwas Unglaubliches erzählen! Wenn du ein Ticket für die WM kaufst (egal welche Preisklasse!), kannst du mit diesem online und kostenlos eine Fan-ID beantragen, die gleichzeitig als Visum fungiert. So sparst du die das ganze Visum-Heck-Meck, den ich vorhin beschrieben habe. Und jetzt kommt der beste Teil. Im Zeitraum der WM kannst du mit dieses Fan-ID KOSTENLOS mit eingerichteten Shutteln zwischen ALLEN Austragungsorten in Russland umherfahren!! Mehr Infos gibt’s hier.

Alafuzov Loft

Natürlich wollte Visit Tatarstan uns ihre wunderbare Stadt von der besten Seite zu präsentieren. Da war für mich besonders spannend, als wir auf einem alten und zerfallenen Fabrikgelände eine Art Kulturzentrum gefunden haben. Streetart, Kunst, eine Bar, Theaterräume und ein bewachsenes Dach mit defekten Neon-Buchstaben haben mich vollkommen begeistert. Das Gelände steckt noch mitten im Aufbau und das Team vor Ort hat uns ganz stolz ihr Projekt gezeigt. Je mehr Räume fertig gestellt werden, desto mehr Veranstaltungen werden in der Zukunft dort stattfinden. Die Besitzer haben uns von ihren Plänen von Konzerten, Partys und Boxkämpfen erzählt. Meiner Meinung ein Must-See in Kazan – du wirst es nicht bereuen!

Nur ein kleiner Ausschnitt der wunderbaren Ecken des Geländes der Alafuzov Loft
Nur ein kleiner Ausschnitt der wunderbaren Ecken des Geländes der Alafuzov Loft

Tatarstan ist nicht nur Kazan

Bolgar

Etwa zweieinhalb Autostunden außerhalb Kazans befindet sich die Stadt Bolgar, die als Heimstätte des Islams in Tatarstan gilt und als „nördliches Mekka“ bekannt ist. Hier befindet sich auch der größte gedruckte Koran der Welt!

Der Blickfang der Region ist unumstritten die weiße Moschee. Sie wirkt wie ein Abbild des Taj Mahal in Indien und man fragt sich kurz, ob man sich tatsächlich noch in Russland befindet.

Die wunderschöne weiße Moschee
Die wunderschöne weiße Moschee

Traditionelle Dörfchen

Die traditionellen Häuser und Bauwerke der Tataren können in den vielen winzigen Örtchen auf dem Weg nach Bolgar gesehen werden. Die bunten Farben und verwitterten Holzbalken versetzten dich mindestens 30 Jahre zurück in die Vergangenheit. Ein kurzer Zwischenstopp lohnt sich!

Die traditionellen bunten Holzhäuser von Tatarstan
Die traditionellen bunten Holzhäuser von Tatarstan

Essen

Jetzt aber wirklich endlich mal zum Essen! Die Küche der Tataren ist sehr teig- und fleischlastig, was allerdings mit einer unglaublichen kreativen Vielfalt verarbeitet wird. Jede Teigtasche schmeckt dann doch nicht wie die am Vortag. Die übliche Vorspeise ist Suppe, die mit ähnlichen Gemüsekombinationen nicht ganz so vielfältig scheint, als die Fleisch- und Teiggerichte. Das traditionelle russische Gericht Borschtsch durfte natürlich auch nicht fehlen. Vor dem Essen gibt es immer erst einmal Tee und ein bisschen Trockenobst. Wo wir bei Getränken sind – um das Nationalgetränk Vodka kommt man als Tourist natürlich nicht herum. Bei einer Vodka-Verkostung werden auch weitere Delikatessen wie z.B. Pferdefleisch probiert.

Entgegen meiner Erwartungen haben wir nicht einmal Kaviar gegessen! Das hat mich dann doch überrascht. Dies gilt selbst hier als absolutes Luxusgut und steht normalerweise auch nicht auf der Speisekarte.

Lecker Borschtsch!
Lecker Borschtsch!

Wie war meine erste russische Erfahrung?

Über die Zeit bildet sich jeder unverweigerlich Vorurteile gegenüber anderen Kulturen. Als Reisetante empfinde ich es als eine spannende Herausforderung, diese in den Hintergrund zu schieben und mir vor Ort eine eigene Meinung zu bilden. Die Russen haben mich mit einer offenen und freundlichen Art empfangen und mir voller Stolz ihr wunderbares Land gezeigt, das mit so zahlreichen Facetten für jeden Besucher etwas zu bieten hat! Ich bin mir sicher, ich möchte noch mehr von diesem unglaublich großen Land sehen.

Genug Text, ich lasse noch ein paar Bilder sprechen

Wenn man schon einmal in Russland ist, habe ich mir gedacht: Warum sollte ich mir dann nicht noch mehr anschauen? Und das habe ich dann auch getan! Meine Eindrücke aus Moskau kannst du dann im nächsten Beitrag lesen – du kannst gespannt sein! Bis dahin

Let’s travel!

Warst du schon mal in Kazan? Was hat dir am besten gefallen und hast du noch weitere Tipps? Dann freue ich mich über ein Kommentar von dir.

Die Einladung dieser Reise erhielt ich von Visit Tartastan – vielen Dank dafür. Meine persönliche Meinung bleibt selbstverständlich trotzdem unbeeinflusst.

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Elisa

Von März bis Juni war ich in Südamerika unterwegs und habe unglaubliche Abenteuer erlebt. Nach und nach werde ich von meinen ganzen Reisestorys berichten. Als blutige Blogger-Anfängerin freue ich mich darauf, dich auf mein Abenteuer mitzunehmen. Ich hoffe, meine Berichte wecken dein Fernweh und den dringenden Wunsch, sofort deinen Rucksack zu packen und loszuziehen. Ich würde mich freuen, wenn du uns auch auf Facebook, Instagram & Co. folgst. Viel Spaß beim Lesen!

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